Ruhestörung: Wenn die Nachbarn klingeln

Wer Musik macht, muss auch regelmäßig üben. Doch insbesondere in Mietwohnungen und Mehrfamilienhäusern können Mieter sich schnell wegen Ruhestörung beschweren. Können Vermieter das Musizieren verbieten? Und an welche Gesetze hat sich der Musiker zu halten? Kann Ruhestörung auch auf anderem Wege vermieden werden? Diese Fragen möchte ich in diesem Artikel klären.

Immer wieder kommt es zu Streitigkeiten zwischen Mietern, die sich durch Lärm belästigt oder gestört fühlen. Das muss noch nicht einmal ein lautes Musikinstrument sein, auch wegen HiFi-Anlagen, lauten Fernseh-Geräuschen oder sogar nächtlichem Duschen bekommen sich die Anwohner in die Haare.

Doch gerade Musiker haben noch ein zusätzliches Problem: ihr Instrument. Nicht selten versucht der mögliche Vermieter schon bei Wohnungsbesichtigung ausübende Künstler davon abzuhalten, die Immobilie überhaupt anzumieten. Und selbst wenn sie sich dann doch einigen können, versucht der Eigentümer den Musiker mit langen Zusatzvereinbarungen zu beschneiden. Und schnell er auch unter den restlichen Mietern als Sündenbock herhalten, wenn etwas zu laut ist.

Ruhestörung von Anfang an vermeiden

Auch wenn der Musiker durchaus berechtigt ist, sein Instrument auch in Mietwohnungen zu spielen, sollte er schon bei der Wohnungssuche vorbeugen. Als erstes gilt es, mögliche Konflikte in Bezug auf Ruhestörung zu finden. Das geschieht am besten immer im Gespräch mit dem Vermieter.

So solltest Du möglichst nicht gerade in einen besonders ruhigen Stadtteil ziehen. Auch solltest Du Dich erkundigen, ob die Mieter im Haus eher freundlich und offen oder doch eher zurückgezogen leben. Ein Haus voller Wohngemeinschaften wird für musikalisch-nachbarschaftliche Untermalung stets offener sein als Schichtarbeiter als direkte Nachbarn.

Offenheit zahlt sich aus

Zwar bist Du nicht verpflichtet, Deinen Beruf oder Hobby dem Vermieter zu nennen. Offenheit zahlt sich aber meistens aus. Kläre Deinen Vermieter nicht nur darüber auf, dass Du Musik machst, sondern erkläre ihm auch, welche Maßnahmen Du planst, um eine Ruhestörung von vornherein auszuschließen.

So gibt es die Möglichkeit, Dein Übezimmer mit dämmendem Material auszukleiden. Elektronische Geräte lassen sich auch leicht unter Kopfhörern spielen. Auch eine Gesangs- bzw. Schallkabine könnte in Erwägung gezogen werden. Zu guter Letzt gibt es insbesondere in Großstädten auch die Möglichkeit, einen eigenen Proberaum anzumieten und Deine Übungszeit ganz aus dem Haus auszulagern.

Auch Deine Nachbarn solltest Du nicht im Dunkeln stehen lassen. Stelle Dich ihnen beim Einzug kurz vor und bespreche mit ihnen, ob es Zeiten gibt, in denen sie nicht gestört werden wollen. Du kannst Ihnen auch anbieten, dass sie Dir Bescheid sagen, wenn es ihnen gerade nicht passt.

Gesetzliche/ Vertragliche Bestimmungen einhalten

Neben einer guten Kommunikation kommt es aber immer auch darauf an, dass Du Dich an alle gesetzlichen sowie vertraglichen Bestimmungen hältst. Das Landesimmissionsschutzgesetz (LImschG) sieht in erster Linie eine Nachtruhe von 22:00 bis 06:00 Uhr vor. Häufig verlängern Hausordnungen die Nachtruhe auf 20:00 bis 07:00 Uhr. In den kommunalen Satzungen wird hingegen häufig auch eine Mittagsruhe von 13:00 bis 15:00 Uhr gewährt.

Natürlich heißt diese Einschränkung nicht, dass man in den eigenen vier Wänden gar keinen Laut mehr von sich geben darf. Als Ruhestörung wird in diesen Zeiten all das empfunden, das über die Zimmerlautstärke hinausgeht. Bei Zimmerlautstärke sind Geräusche per Definition insbesondere nach oben und unten nicht mehr oder kaum noch wahrnehmbar (LG Berlin DWW 1988, 83).

Wichtige Rechtsprechungen für Musiker

Des weiteren gab es in der Vergangenheit zahlreiche Rechtsprechungen, die insbesondere Musiker betreffen. So kann der Vermieter nicht das Recht zu musizieren vertraglich ausschließen (BGH, Az. V ZB 11/98). Auch für Musiker gelten die gesetzlichen Ruhezeiten (OLG München, Az. 13 U 2289/91), jedoch hat eine Musiklehrerin auch schon eine Ausnahme bezüglich der Mittagsruhe erhalten (LG Frankfurt, Az. 2/25 O 359/89).

Grundsätzlich dürfen Mieter nur zwei Stunden täglich ihr Instrument außerhalb der Ruhezeiten ausüben (Bayerisches OLG, Az. 2 Z 8/85). Andere Urteile differenzieren diese Begrenzung noch nach Instrument:

  • Schlagzeuger dürfen nur 45 bis 90 Minuten täglich üben (LG Nürnberg-Fürth, Az. 13 S 5296/90)
  • Saxophon und Klarinette werden auf werktags zwei und sonntags eine Stunde begrenzt (OLG Karlsruhe, Az. 6 U 30/87)
  • Violine, Viola und Cello dürfen werktags acht und sonntags sechs Stunden gespielt werden (LG Flensburg, Az. 7 S 167/92)
  • Klavierspieler können täglich bis zu drei Stunden üben (Bayerisches OLG, Az. 2 Z BR 55/95)

Für nachtaktive Musiker gibt es aber keine Rechtsprechungen. Im Gegenteil, in einem Urteil wurde zumindest das Klavierspiel hinsichtlich der Nachtruhe auf werktags 20:00 Uhr sowie sonn- und feiertags auf 19:00 Uhr begrenzt. Werktags könne man einmal pro Woche eine Ausnahme machen und bis 21:30 Uhr spielen. Das gleiche gilt einmal im Monat für den Sonntag (LG Düsseldorf, Az. 22 S 574/89). Grundsätzlich wird auch hier empfohlen, sich mit dem Vermieter zu einigen und entsprechende Begrenzungen vertraglich festzuhalten.

Autor: Mirko Schubert

Mirko ist der einstige Gründer von Musiker Knowhow. Als Diplom-Musikpädagoge (FH), Komponist und Journalist liebt er es, musikalisches Wissen an andere weiter zu geben. Er unterrichtete bereits über 10 Jahre an verschiedenen Musikschulen die Fächer Klavier, Keyboard, Gesang und Songwriting.

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