Kaufberatung: Das richtige Mikrofon für Sänger

Während sich angehende Pianisten, Gitarristen oder Drummer schon beim Einstieg ein geeignetes Instrument kaufen müssen, können Sänger sofort mit ihrer Karriere starten. Doch gerade in der Popularmusik ist das Singen ohne Mikrofon eher eine Seltenheit. Und auch zum Üben solltest Du Dir ein geeignetes Mikrofon kaufen.

Nicht nur bei der Bandprobe oder dem ersten Auftritt ist das eigene Gesangsmikrofon wichtig. Damit Du Dich an den eigenen Klang gewöhnst und auch mit einem Mikrofon umgehen kannst, solltest Du es auch bereits zum Üben verwenden. Doch nicht jedes Mikrofon ist für jeden Sänger und jede Stilistik geeignet.

Beim Kauf eines Mikrofons solltest Du dabei auf wenigstens zwei Kriterien achten – der Technologie der Kapsel sowie der Richtcharakteristik. Für Gesangsmikrofone unterscheidet man vor allen Dingen zwischen dynamischen Mikrofonen und Kondensatormikrofonen. Da der Sound möglichst direkt aufgenommen werden sollte, solltest Du außerdem bei der Richtcharakteristik auf eine Niere, Super- oder Hyperniere achten.

Das dynamische Mikrofon

Das dynamische Mikrofon kann in der Regel mehr Schalldruck aufnehmen und wird durch seine Nierencharakteristik sehr häufig auf der Bühne eingesetzt. Hinzu kommt, dass es bei diesen Mikrofonen einen Nahbesprechungseffekt gibt. Je näher Du mit Deinem Mund an das Mikrofon kommst, desto basslastiger und druckvoller wird der Klang.

Je lauter Du beim Singen wirst, desto weiter solltest Du weg gehen, um den Klang wieder etwas auszugleichen. Genau durch diesen Effekt eignen sich solche Mikrofone aber nicht für den Studio-Einsatz. Die Nierencharakteristik nimmt insbesondere bei lauten Umgebungen nur den direkten Sound auf und filtert Hintergrundgeräusche heraus. Auch lästige Rückkopplungen werden so unterdrückt.

Insbesondere unter Rockmusikern hat sich das Sure SM58* bewährt. Dieses Mikrofon zeichnet sich durch einen besonders kraftvollen und bassigen Sound aus und ist außerdem fast unzerstörbar.

Ich persönlich habe sehr gute Erfahrungen mit dem Sennheiser e845-S* gemacht. Das Mikrofon ist mit seinem nicht ganz so fetten Klang und einem etwas breiteren Frequenzspektrum für fast jeden Musikstil geeignet. Durch die Superniere wird auch ein bisschen von der Umgebung aufgenommen und mit dem Schalter lässt sich das Gerät auch einmal ausschalten. Beide Mikrofone liegen momentan bei etwa 110,- Euro.

Kondensatormikrofone

Wer eher akustische Musik macht, auf der Bühne mit In-Ear-Monitoring arbeitet oder damit auch Studioaufnahmen machen möchte, sollte lieber zu einem Kondensatormikrofon greifen. Der Frequenzgang eines solchen Mikrofons ist deutlich linearer, einen Nahbesprechungseffekt gibt es praktisch nicht. Auch kann es viel mehr Details aufnehmen, insbesondere wenn es um leise Töne geht.

Das Kondensatormikrofon erfordert eine extra Stromzufuhr, die so genannte 48V Phantomspeisung. Die wird meistens vom Mixer aus eingespeist. Auch unterteilt man diese Kapselart noch einmal in zwei Kategorien:

Das Kleinmembran-Kondensatormikrofon ist mehr für die Bühne geeignet, wird aber eher für die Abnahme von akustischen Instrumenten genutzt. Für den Gesang gibt es sie hingegen kaum. Ein hervorragendes Kleinmembran für die Bühne ist aber das Neumann KMS105*, das einen sehr transparenten Sound abbildet. Die Bühnenlautstärke sollte es sich allerdings noch in Grenzen halten, da es sonst schnell zu Rückkopplungen kommen kann. Mit rund 500 Euro muss man dafür allerdings etwas tiefer in die Tasche greifen.

Fast ausschließlich dem Studio vorbehalten bleibt hingegen das Großmembran-Mikrofon. Es besticht durch einen ebenso klaren Klang in den Höhen. Röhrenmikrofone aus dieser Kategorie bieten zudem auch noch sehr warme und angenehme Bässe. Die Richtcharakteristik ist häufig umschaltbar, um sich auf verschiedene Situationen einstellen zu können. Die üblichen Preise liegen zwischen 800 und 2.500 Euro.

Einsteiger können dennoch auch günstig Großmembranmikrofone erwerben. Hier habe ich gute Erfahrungen mit dem Rode NT1a* machen können, das im Set für etwa 190 Euro sogar gleich noch eine Trittschall dämmende Spinne sowie einen Popp-Schutz beinhaltet. Zusätzliche Wärme erzeuge ich mit einem Röhren-Vorverstärker von Behringer.

Und das Zubehör?

Neben dem eigentlichen Mikrofon gibt es natürlich noch obligatorisches Zubehör, das zur Ausstattung eines jeden Sängers gehören sollte. In erster Linie solltest Du ein Stativ dafür haben. Wer auch mal ein Instrument in den Händen hält greift hier am besten zu einem Galgen, wie etwa dem K&M 27105s*.

Für das heimische Studio lohnt sich zudem auch ein Audiointerface, damit der Ton sauber für den Computer umgewandelt wird. In Verbindung mit einem Kopfhörer lässt sich damit auch recht leise üben, ohne gleich zu einer ohrenbetäubenden Gesangsanlage greifen zu müssen. Hier ist beispielsweise das Tascam US-144 MK2* zu empfehlen, das für etwa 120 Euro sehr gute Funktionen bietet.

Berufmusiker kaufen sich gegebenenfalls noch eine kleine Gesangsanlage plus Mixer, damit man auch mal schnell als Duo oder Trio auftreten kann, ohne gleich eine PA mieten zu müssen. Wer viel aufnimmt oder Streit mit dem Nachbarn wegen Ruhestörung hat, kann auch eine Gesangskabine erwerben.

Autor: Mirko Schubert

Mirko ist der einstige Gründer von Musiker Knowhow. Als Diplom-Musikpädagoge (FH), Komponist und Journalist liebt er es, musikalisches Wissen an andere weiter zu geben. Er unterrichtete bereits über 10 Jahre an verschiedenen Musikschulen die Fächer Klavier, Keyboard, Gesang und Songwriting.

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