Multieffekt-Geräte für E-Gitarre – die Flaggschiffe im Vergleich

Multieffects Titelbild

Noch vor einigen Jahren stellte es für E-Gitarristen ein Gräuel dar, wenn sie mit einem Multi-Effektgerät auf die Bühne mussten. Denn so umfangreich auch deren Möglichkeiten waren, so qualitativ limitiert war deren klanglicher Output. Im Zuge immer besserer Prozessortechnik und einer steten Weiterentwicklung stellen Multi-Effektgeräte mittlerweile eine gelungene Alternative zu einzelnen Effektgeräten dar. Ich gebe Dir hier eine kurze Übersicht darüber, was Multi-Effektgeräte sind und werde darüber hinaus zwei der derzeit besten Modelle hier.

Was sind Multi-Effektgeräte?

Die „Multis“ gehören zu den Bodeneffektgeräten für E-Gitarre, die dem Gitarristen mittels Fußdruck auf Pedale die unterschiedlichsten Sounds ansteuern lassen. Der große Unterschied zu Bodenpedalen mit einem einzelnen Effekt ist der, dass ein Multi-Effektgerät sehr viele Sounds in nur einem Gerät übersichtlich und oftmals mit einfacherer Bedienung beherbergt.

Verfechter von Einzel-Bodenpedalen verweisen oft auf deren (tatsächlich nur bedingt) „authentischeren“ Klang, jedoch ist das Zusammenführen und vor allem der „Einschleifweg“ (also die Reihenfolge der einzelnen Pedale im Signalweg von Gitarre in den Amp) vieler einzelner Pedale fast schon eine Wissenschaft für sich, kann sehr kostspielig und unübersichtlich werden und verlangt vor allem von einem Anfänger viel Geduld, denn bis ein ansprechender Sound aus der Box kommt kann das unter Umständen sehr viel Zeit und Nerven kosten. Ein simples Multi-Effektgerät ist also vor allem für den fortgeschrittenen Einsteiger und für den etwas schmaleren Geldbeutel genau das Richtige und sind bei richtiger Beherrschung sogar klanglich überlegen.

Was muss ein Multi-Effektgerät haben?

Ein Multi muss, wie sein Name schon suggeriert, über eine Vielzahl von überzeugenden Effekten und Funktionen verfügen. Diese sollten sich leicht aktivieren, einstellen und kombinieren lassen. Dabei musst Du auch die Möglichkeit haben, eigene Sounds zu kreieren und diese abspeichern zu können.

Diese Effekte sollte ein Multi-Effektgerät auf jeden Fall haben:

  1. Pegel-Effekte wie z.B. Kompressor, Limiter, Noise Gate, Tremolo
  2. Verzerrer-Effekte wie z.B. Distortion, Overdrive, Fuzz
  3. Verzögerungs-Effekte wie z.B. Delay, Reverb, Flanger, Chorus
  4. Spektral-Modifier-Effekte wie z.B. Phaser, Harmonizer, Wah-Wah

Optional ist ein Looper durchaus sinnvoll.

Darüber hinaus ist es wichtig, dass ein eingebauter Tuner zum Stimmen der E-Gitarre vorhanden ist. Umfangreiche Multis wie die zwei nachfolgenden sind trotz ihres Umfangs jedem zu empfehlen. Man sollte sich nur bewusst sein, dass man auch hier Ausprobieren und Experimentieren muss, um die Wirkungsweise der Geräte zu verstehen und optimal nutzen zu können.

Boss GT-100

Die japanische Firma Roland bringt seit Jahrzehnten Effektgeräte unter dem Markennamen Boss heraus und gilt als einer der größten und vielseitigsten Hersteller der Branche. Kein Wunder also, dass mit dem GT-100 das neue Flaggschiff des Hauses Einiges zu bieten hat. Dabei sind die Stiefel, welche dieses Gerät auszufüllen hat nicht gerade klein, denn seine Vorgänger – dabei allen voran das GT-10 – waren Wegweiser der digitalen Effektwelt vor allem in puncto Sound und werden bis heute noch gern genutzt.

Auf den ersten Blick fällt im Vergleich zum GT-10 auf, dass das Design zugunsten einer besseren Übersicht und einfacherer Bedienbarkeit an den richtigen Stellen abgespeckt oder andererseits aufgewertet wurde. So besitzt das GT-100 nun zwei Monitore, was einen besseren Überblick über die Sounds der verschiedenen Bänke sowie deren jeweilige Parameter verschafft. Auch wurden die vielen kleinen Knöpfe der Vorgänger so gut wie abgeschafft, sodass man jetzt so gut wie alles über griffige Drehschalter einstellen kann. Wirkt das GT-100 deutlich aufgeräumter und fast simpler beim Anblick, so verbirgt sich darunter jedoch eine riesiges Experimentierfeld für die Suche nach dem richtigen Klang.

Boss GT-100

Das GT-100 beherbergt eine reichhaltige Anzahl an Simulationen bekannter Amps aufgrund des COSM-Prozessors, der legendäre Vintage-Amps wie Fender Twin Reverb, Marshall 1959 oder Mesa Boogie Rectifier authentisch wiedergibt. Des Weiteren bietet es alle oben genannten grundlegenden Effekte und darüber hinaus noch eine Vielzahl weiterer exklusiver Effekt-Typen der Reihe, wie z.B. dem Humanizer, Rotary, Defretter oder der Sitar Simulation, welcher einer echten Sitar tatsächlich sehr nahe kommt. Es lassen sich 4 Grundsounds in eine Soundbank speichern, die bei Bedarf durch Wegnahme oder Hinzufügen einzelner Effekte verändert werden können. Insgesamt bietet das GT-100 mit je 200 Speicherplätzen für Presets und User-Sounds Raum für unendliches Erforschen von Klangwelten. Der Sound der einzelnen Effekte wirkt authentisch und die einzelnen Klänge lassen sich organisch und harmonisch miteinander kombinieren. Besonders schön: der EZ-Tone-Mode klammert das Fach-Chinesisch der Effektwelt aus und lässt dem Nutzer den Sound per Höreindruck und mittels der Drehknöpfe bei direkter Klangveränderung erstellen, während das Gerät die einzelnen Effekte dabei zuschaltet und einstellt. Das GT-100 lässt sich auch ganz einfach per USB oder MIDI an einen PC anschließen und kann so ohne Weiteres problemlos zu Aufnahmezwecken genutzt werden.

Die Klangexperten von Boss haben die kleinen Mängel der Vorgänger ausgemerzt und die Stärken der Serie besser ausgearbeitet. Das GT-100 ist zwar immer noch für Einsteiger zuerst nicht einfach zu verstehen, aber auch diesen wird nach einiger Zeit die Bedienung und der Wirkungsgrad dieses einmaligen Effektgeräts klar. Für E-Gitarristen, die auf steter Klangsuche sind und auch von exotischeren Sounds live oder im Studio Gebrauch machen wollen, ist das Boss GT-100 eine absolute Kaufempfehlung.

Herstellerseite: http://de.boss.info/products/gt-100/

Online bestellen bei…
thomann-de-logo

Line 6 Pod HD500x

Diese amerikanische Firma ist seit ihrer Gründung 1996 neben wenigen analogen Ausnahmen einer der Vorreiter in Sachen digitaler Effekttechnik. Dabei stützt sich der rasante Erfolg des Unternehmens vor allem auf den ersten „POD“, dem nierenförmigen digitalen Gitarren-Vorverstärker und der „Variax“, einer der ersten digitalen E-Gitarren, die aufgrund ihres einzigartigen Wirkungsprinzips die Musikwelt revolutionierten. Daher lässt sich schon von vornherein erahnen, dass das Pod HD500x ein ebenso hochwertiges wie auch hochmodernes Gerät ist, welches den Anforderungen des soundhungrigen E-Gitarristen mehr als genügt.

line 6 pod hd500x

Auch dieses Multi bietet viele simulierte Amps bekannter Firmen wie Fender, Marshall oder Vox. Diese lassen sich dann mit 100 Effekttypen verbinden. Diese Zahl ist jedoch nicht ganz wörtlich zu nehmen: beim Pod HD500x haben viele verschiedene Arten einzelner Effekt-Typen unterschiedliche Namen und werden als einzelne Sounds klassifiziert. So gibt es zum Beispiel Delays mit den Namen „Ping Pong“ und „Sweep Echo“ oder mit „Voice Box“ und „Vocoder“ verschiedene Filter. Dabei klingen alle Effekte auch hier überzeugend, wenn auch etwas plastischer als beim Boss GT-100. Besser als bei seinem asiatischen Konkurrent jedoch ist die intuitivere Bedienbarkeit, welche dem Nutzer die riesige Klangwelt der sage und schreibe 512 Presets des Pods leicht erschließen lässt. Zwar hat das HD500x zwar nur ein kleines Display, jedoch gibt es einen von den Effekten unabhängigen Equalizer, welche die Sounds dadurch harmonisch untereinander verknüpft, ohne das ein Effekt aufgrund falscher Einstellung plötzlich krass heraussticht.

Live wie auch im Studio nutzbar, besticht dieses Multi-Effektgerät vor allem im Aufnahmeraum, denn die vielen Eingänge unter anderem für Mikrofon oder sogar Mp3-Player machen dieses Effektgerät zum vielseitigen Begleiter im Studio-Alltag.

Line 6 hat mit dem HD500x ein neues und umfangreicheres Flaggschiff in ihrem Sortiment, das leistungsfähiger als je zuvor daher kommt. Auch wenn die Sounds marginal etwas plastisch wirken, können diese spielend einfach verändert werden und bieten daher auf der Bühne und im Studio den vollen Sound.

Herstellerseite: http://de.line6.com/podhd/
Online bestellen bei…
thomann-de-logo

Wer sich mit diesen beiden preislich (zur Zeit 396 respektive 444 €) wie klanglich mehr als überzeugenden Geräten nicht zufrieden geben möchte, dem sei die noch komplexere, jedoch auch deutlich kostspieligere digitale Effektvariante ans Herz gelegt: die 19″-Geräte. Hierbei sind vor allem die Modelle der G-Reihe von tc-electronic oder der absolute König der Effekte, der Fractal Axe Fx II-Prozessor, zu empfehlen.

Bilder: © BOSS / Line 6 / Jam´s Space Station (Flickr)

Gitarre , , , ,

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.