Vinyl Pressung in Kleinstauflagen: Presswerke im Überblick

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Alle reden derzeit vom Vinylboom. Die Presswerke können sich vor Arbeit kaum retten und jeder will seine Musik auf den schwarzen PVC-Rohling gepresst haben. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht und dieser Boom scheint doch etwas sehr aufgebauscht. Vor allem für Kleinstauflagen beschränkt sich der Kreis der Presswerke dann doch enorm… Ich habe hier mal ein paar Presswerke rausgesucht und auch gleich eine Beispiel-Kalkulation für eine Vinyl Produktion in Kleinstauflage gemacht.

Vorüberlegungen: Warum überhaupt Vinyl?

Die Verkaufszahlen von Vinyl haben sich in den letzten zehn Jahren zwar mehr als verfünffacht, sind im Vergleich zu anderen Medien aber immer noch ein Nischenprodukt. Wer seine Musik trotz alledem auch auf einer echten Vinylpressung verkaufen will, sollte sich vorher gut überlegen, wie die Verkaufschancen für dieses Medium sind. Denn gerade bei Hobbymusikern und noch unbekannten Bands übersteigen die Kosten in vielen Fällen den eingespielten Gewinn. Auch wenn das dem echten Vinyl-Fan und Musiker in Personalunion meist reichlich egal ist, so sollte eine Platte auf Vinyl euch doch nicht gleich in den finanziellen Ruin treiben.

Seit ein paar Jahren redet fast die ganze Musikwelt vom Vinylboom. Da ist immer wieder die Rede davon, das Vinyl jetzt zurückkommt oder das die Schallplatte ihren zweiten Frühling erlebt. Das alles ist schön und gut, wird aber oft auch von den großen Plattenfirmen, die am Ende nur ihre eigenen Künstler samt den Schallplatten noch besser verkaufen wollen, hochgespielt. Das die Presswerke der gestiegenen Nachfrage gar nicht mehr nachkommen können, ist ja auch klar, wenn sich Artists, die sich noch vor einigen Jahren nicht für das “schwarze Gold” interessiert haben und jetzt große Stückzahlen pressen lassen, die wenigen Maschinen, die es noch gibt, blockieren.

Wem nützt es, wenn Rihanna die x-te Single auch in fünf verschiedenen Vinylfarben herausbringt? Oder wenn jeder kleine DJ seine Sets in den warmen PVC-Klumpen pressen lässt? Damit haben dann oft auch Bands und Musiker, die nie von der Platte abgegangen sind, das Nachsehen. Denn klar ist, dass Ende der Achtziger mit dem Aufkommen der CD eigentlich schon das Ende der Presswerke besiegelt war. Jeder wollte nur noch die kleinen Silberrohlinge und die Schallplatte sollte nun selbst eingestampft werden. Die Pressmaschinen wurden verschrottet oder nach Übersee verkauft und so gibt es hierzulande nur noch ein paar hundert Exemplare, die nun die wieder gestiegene Nachfrage komplett bedienen müssen. Dass es dann zu Stau im Produktionsprozess kommen kann und dass nun die wenigen noch vorhandenen Presswerke wieder ihre Preise diktieren können, ist da nur eine logische Folge. Was aber kostet es euch als kleine Independent-Band ohne großes Label im Rücken nun eigentlich in Eigenregie eine Vinylproduktion zu verlegen?

Kurz ein paar Infos zur Vinylproduktion

Egal ob ihr eine kleine Auflage mit nur 100 Stück plant oder eine richtig große Nummer. Für die Herstellung des Masters, einer bespielten Lackfolie, über die Vatermatrize (ein Negativ mit herausstehenden Rillen) hin zur Mutter (Positiv mit Rillen, die nach innen gehen) und zum Sohn (wieder ein Negativ, das als endgültige Pressform dient) ist der Weg immer der Gleiche. Wenn ihr noch einmal im Detail sehen wollt, was von der Aufnahme bis hin zur ersten abspielbaren Schallplatte passiert, dann schaut euch doch einmal kurz diese Doku an. Die Arbeitsschritte sind bis heute unverändert:

Unterschiede im Preis entstehen beispielsweise durch unterschiedliche Vinylfärbungen in diversen Ausprägungen (schwarz, einfarbig bunt, splatter, marble usw.), eine bedruckte Innenhülle oder eine einfache, einfarbige Innenhülle, eine gefütterte oder ungefütterte Innenhülle, normales Cover oder Klappcover, Plattengröße (7″ (Durchmesser 17,5 cm), 10″ (25 cm) oder 12″ (30 cm)) und großes oder kleines Mittelloch u.v.m.

Vinylproduktion in Kleinstauflagen

Um eine ungefähre Vorstellung zu bekommen, was in etwa auf euch zukommt, haben ich ein paar Presswerke unter die Lupe genommen. Vom Branchenriesen, der schon seit vielen Jahren für die ganz großen Labels presst bis hin zu kleinen Independent-Pressen, die auch mal eine etwas kleinere Auflage von beispielsweise nur 300 Stück pressen.

R.A.N.D. Muzik
Presswerke_01Auf einem ehemaligen Druckereigelände im Osten von Leipzig hat die Firma R.A.N.D. Muzik ihren Sitz. Im Monat werden hier bis zu 60.000 Platten gepresst. 1998 hat man hier mit einem Tonstudio angefangen und sich Stück für Stück immer mehr Maschinen angeschafft, so dass Ende 2000 die erste Platte das Firmengelände verlassen konnte.

Mittlerweile läuft der Laden wie geschmiert und ernährt einige Leipziger und ihre Familien. Das pressen eurer Vinylscheiben übernehmen hier sechs schwedische Maschinen aus den Achtzigern vom Typ Toolex Alpha Typ AD 1202. Neben schwarzen Scheiben könnt ihr bei diesem Presswerk Platten auch in Weiß, Gelb, Orange, Rot, Grün und Blau pressen lassen. Diese Farben werden dann in deckender oder durchlässiger Ausprägung angeboten. Für eine Auflage von 500 schwarzen 140 g 12″-Scheiben mit einem bunten Label, einer einfarbigen Innenhülle und einer vierfarbig bedruckten Außenhülle samt Cellophanierung zahlt ihr bei den Leipziger etwas mehr als 1.300 Euro inklusive Versand.

Wer eine kleinere Auflage wünscht, zahlt eine Pauschale von 45 Euro und kann so auch Auflagen unter 500 Stück pressen lassen. Die Preise für eure spezielle Produktion könnt ihr euch auf der Homepage berechnen lassen.
Link zum Kalkulator: www.randmuzik.de/deutsch/kalkulator.html

Vinylherstellung.de
Presswerke_02Unter dem Label Vinylherstellung.de bietet die AAA Media Solutions GmbH & Co. KG aus Ratingen Schallplatten als Picture-Discs, Shape- und Colored-Vinyl sowie unterschiedlichste Vinyl Verpackungen an. Hier könnt ihr auch das Premastering und das Artwork eurer Produktion verwirklichen lassen. Sowohl das Direct Metal Mastering (DMM) als auch der Lackschnitt werden hier als Verfahren angeboten. Auch extravagante Picture-Discs mit euren Fotos und Illustrationen sowie Shape-Vinyls (z.B. als Kreissägeblatt) sind möglich. Seit mehr als 20 Jahren ist dieses Unternehmen in der Vinyl-Branche tätig.

500 schwarze 12″-Platten kosten hier samt DMM-Mastercut um die 1.800 Euro. Auch hier gibt euch der Online-Kalkulator des Unternehmens einen groben Überblick über die zu erwartenden Kosten.
Link zum Kalkulator: www.vinylherstellung.de/online-kalkulator/

Celebrate
Presswerke_03Wenn ihr auch mal nur 300 Scheiben pressen lassen wollt, dann versucht es doch mal beim Presswerk von Celebrate im sächsischen Stollberg. Hier gibt es vom schwarzen über das verschiedenfarbige Vinyl bis hin zur Picture Disc alles, was das Herz des Plattenfreundes, also am Ende eurer Fans und somit der Leute, die für eure Platten auch die nötige Kohle auf den Tisch legen, höherschlagen lässt.

Dieses Unternehmen hat sich die technische Weiterentwicklung des Mediums Schallplatte auf die Fahnen geschrieben. So wird euch hier zum Beispiel ein sogenanntes Hybrid-Vinyl angeboten, bei dem eine Seite der Platte normal bespielt ist, während die Andere nach euren Wünschen gestalt- und umsetzbar ist – Picture Disc reloaded. Wer bei der Firma im Erzgebirge eine Plattenauflage von 300 schwarzen Alben im 12″-Format pressen lassen will, muss mit knapp 1.500 Euro kalkulieren. Ein spezielles Angebot könnt ihr über die Homepage erfragen.
Link zum Anfrage Formular: www.celebrate.de/v3/index.php?page=19001

ABC-ROXXON-MEDIENSERVICE GmbH
Presswerke_04Zwar hat sich die ABC-ROXXON-MEDIENSERVICE GmbH eigentlich mehr der CD- / DVD-Produktion verschrieben, aber man kann bei dem Unternehmen aus Hannover auch Schallplatten ordern. Großen Wert legt das Team um Geschäftsführer Jürgen Eidt auf die Qualität der Arbeit. Und das hört nicht bei den Platten selbst auf. Praktisch, wenn auch bei vielen Musikern nicht immer so beliebt: Das Unternehmen bietet die Hilfestellung bei A/V-Themen, Gema-GVL- und I.R.M.A.-Anträgen gleich mit an. So muss im Nachhinein niemand Angst haben, dass einem jemand nochmal auf die Füße tritt. 500 schwarze 12″-Platten kosten bei den Niedersachsen um die 1.500 Euro. Wenn ihr selber die Preise kalkulieren wollt, könnt ihr das ebenfalls auf der Website tun.
Link zum Kalkulator: www.abc-roxxon.de/vinyl.php

ks-musik.de
Presswerke_05Ein Bottroper Unternehmen, das vor mehr als zwanzig Jahren mal so etwas war, was man heute als Start-Up bezeichnet. Zwei Studenten, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben und die Firma ks-musik gegründet haben. Und da man zum Glück die Studentenzeit, in der man ja immer etwas knapp bei Kasse ist und erstmal lieber klein anfängt noch nicht ganz aus den Augen verloren hat, gibt es hier auch kleine Auflagen ab 300 Stück. Auch das Mastering eurer Scheibe könnt ihr gleich hier erledigen lassen.

Aktuell gibt es für euch ein Sonderangebot, bei dem ihr 500 einfarbige 12″-Platten mit allem Drum und Dran für rund 1.500 Euro bekommt. Wenn ihr Sonderwünsche habt, so könnt ihr diese auch hier direkt erfragen.
Link zum Anfrage Formular: www.ks-musik.de/12-anfrage

Record Industry
Presswerke_06Falls ihr nicht unbedingt darauf besteht, eure Platten in Deutschland pressen zu lassen, könnt ihr auch nach Holland zu Record Industry ausweichen. Hier werden seit den 1960er Jahren Platten gepresst. Dabei handelt es sich um eines der größten Presswerke weltweit. Entsprechend den großen Produktionsmengen sind auch die Preise. So kosten 500 schwarze 12″-Scheiben mit allem Drumherum etwas mehr als 1.300 Euro.
Preisbeispiele als Grundlage der Kalkulation: http://www.recordindustry.com/vinyl/costs

GZ Vinyl
Presswerke_07Im selben Preisspektrum bewegt man sich auch im tschechischen Loděnice. Bei GZ Vinyl, einem Ableger von GZ Media, könnt ihr sowohl 7″, 10″ als auch 12″ pressen lassen. Schwarze, farbige oder mit euren Fotos bedruckte Platten sind möglich. Auch hier kann man schon auf eine 60-jährige Erfahrung im Geschäft zurückgreifen. Das niedrige Lohnniveau in unserem Nachbarland ermöglicht es euch, 500 schwarze Alben für gut 1.300 Euro herstellen zu lassen.
Link zum Kalkulator: www.gzvinyl.com/Products/Records/Standard-Black-Vinyl.aspx

Ich konnte euch hier hoffentlich einen kleinen Überblick über die zu erwartenden Kosten und die Anbieter geben, wobei ich natürlich keinesfalls den Fokus auf absolute Vollständigkeit legen wollte. Es gibt sicher noch ganz viele weitere Presswerke, die zum Teil auch günstiger oder auch teurer als die hier vorgestellten sind. Zudem gibt es kleine Presswerke wie Amei.se, die sich nur auf bestimmte Formate spezialisiert haben und zum Beispiel nur 7″-Platten pressen.

Wenn ihr Vorschläge habt, lasst es mich wissen! Ich ergänze diese Liste gerne.

Bild: © Flickr.com/ Nick Harris

Musikbusiness, Vertrieb

1 Kommentar

  1. Gute Zusammenstellung! Sind allerdings nicht alles Presswerke und ein paar Nischenanbieter fehlen, z.B. amei.se in HH oder my45. Pallas natürlich auch und Optimal, aber die kennt wohl jeder.

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