Die Zutaten für eine Hymne

GeorgIvonGroßbritannienGeorgFriedrichHaendel

Sie versetzt jeden Fußball Fan quasi automatisch in helle Aufregung und steigert die Vorfreude extrem. Sie ist seit ihrer Einführung vor über 20 Jahren zu einem absoluten Markenzeichen geworden. Sie ist unverkennbar und am Samstag erklang sie im Berliner Olympiastadion zum letzten Mal in der Saison 2014/15. Die Rede ist natürlich von der Champions League Hymne.

Besonders Fans vom FC Barcelona dürfte dieser Song seit Samstagabend noch besser gefallen. Mit dem 4. Titel seit der Umstellung vom Europapokal der Landesmeister zur Champions League und der Einführung des neuen Modus schlossen die Katalanen zum ewigen Rivalen Real Madrid auf. Am Anfang der Saison standen die Champions League Quoten für den FC Barcelona nicht so klar auf Titelgewinn. Trainerwechsel, neuer Präsident und die Bestätigung des Transferverbots brachten viel Unruhe in den sonst so skandalfreien Club. Aber im Laufe der Saison mauserte sich der Club um die Superstars Lionel Messi, Neymar und Luis Suarez immer mehr zu den Topfavoriten auf den Titel.

So viel zum Sportlichen, was hier eigentlich nicht unser Thema sein soll. Sondern wir wollen uns hier mit der Faszination und Komplexität der Komposition einer Hymne, wie der eingangs beschriebenen UEFA Champions League Hymne, beschäftigen.

Im Fall dieser Hymne gab es von der UEFA relativ klare Vorgaben an den britischen Komponisten, Dirigenten und Regisseurs Tony Britten. Klassisch, aber nicht zu klassisch für das Mainstream Publikum. Es sollte eine gewisse Schwere und Tiefe haben. Und es sollte keine Solisten geben. Für die Einleitung bediente sich Britten bei Georg Friedrich Händels Stück Zadok the Priest von 1727. Sich die Hilfe von Jahrhunderte alten Stücken zu holen, ist ein heutzutage durchaus legitimes Mittel.

„Erhebend, zugänglich und inspirierend“

Britten beschrieb seine Hymne in einem Interview einmal mit den Attributen „erhebend, zugänglich und inspirierend“. Das sind auch vielleicht genau die Dinge, die man im Kopf haben sollte, wenn man anfängt, eine Hymne zu komponieren.

Eine klassische Komposition muss einfach etwas Erhabenes ausstrahlen. Das eben bereits erwähnte Händel’sche Zadok the Priest wird bis heute bei jeder englischen Krönungszeremonie gespielt, von daher war Brittens Auswahl hier sicherlich kein Zufall.

Zugänglich sollte sie sein, falls man ein großes Publikum erreichen will. Wenn man hier zu verspielt und vertrackt komponiert und sich zu sehr auf sein Musikertum konzentriert, geht man das Risiko ein, damit den normalen Musikkonsumenten zu verschrecken.

Und Inspiration kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Beseelung oder Einhauchen. Eine Hymne soll den Zuhörer also im besten Fall ein gewisses Gefühl vermitteln und ihn beseelen.

Die musikalischen Fähigkeiten, die man besitzen muss, wenn man sich an eine Hymne heranwagt, mal vorausgesetzt, sind dies wohl die wichtigsten Zutaten, die eine solche Hymne beinhalten sollte. Klassische Musik ist nach wie vor modern und vor allem zeitlos. Das ist auch einer der Gründe dafür, dass man sich in bei der Klassik bedient, wenn man langfristig etwas Großes und Episches erschaffen will. Ein Popsong mit einer einfachen Struktur und einfachem Songwriting ist möglicherweise in zwei oder drei Jahren schon wieder völlig out. Händel ist auch nach fast 300 Jahren noch so frisch wie am ersten Tag.

Bild: © “GeorgIvonGroßbritannienGeorgFriedrichHaendelHamman“ von Edouard Jean Conrad Hamman (1819-1888) – P.M. History. Januar 2006, S. 29.. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Allgemein , , ,

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.