Sorgenfrei abheben: Was muss ich beim Fliegen mit Instrument beachten?

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Die Urlaubszeit rückt näher, ihr wollt mit eurem Instrument sorgenfrei abheben und in die Ferien starten. Oder aber ihr seid mit eurer Band hierzulande überaus erfolgreich und startet nun zum ersten Mal eine Tour in Übersee. Und nun fragt ihr euch: Was muss ich beim Fliegen mit Instrument beachten? In diesem Artikel bekommt ihr Tipps zu den Vorbereitungen und zum Flug mit eurem Musikinstrument. Denn Musiker wissen, dass so eine vermeintlich kleine Sache aufgrund fehlender einheitlicher Regelungen schon einmal zum richtig großen Problem anwachsen kann. Damit das nicht passiert, haben wir hier für euch mal die Bestimmungen der wichtigsten Airlines auf deutschen Flughäfen aufgelistet.

Handgepäck, einen Extra-Sitz buchen oder ab damit in den Gepäckraum?

Wie soll man denn bitteschön als Musiker sorgenfrei abheben können, wenn jede Airline für Musikinstrumente ihre eigenen Bestimmungen hat? Gut, wenn ihr nur mit einer Mundharmonika oder einer Triangel reist, dann ist das Ganze wirklich einfach, aber beim Fliegen mit einem größeren Instrument wie beispielsweise einem Cello oder Kontrabass wird es dann schon richtig schwierig. Selbst Gitarren können manchmal zum echten Problemfall werden. Da kann es dann schon vorkommen, dass ihr das geliebte Instrument nicht mit in den Innenraum vom Flugzeug mitnehmen dürft. Aber abgesehen von einigen Billigfliegern dürfte ihr euer Instrument bis zu einer Größe einer Gitarre ruhig mit in der Kabine transportieren, vorausgesetzt, im Handgepäckfach ist dafür ausreichend Platz. Für Instrumente bis etwa zur Größe eines Cellos muss meist ein noch ein Extra-Platz gebucht werden, auf dem das Instrument dann abgelegt werden kann. Alles, was größer ist, muss im Gepäckraum unter der Passagierkabine mitfliegen. Hier empfiehlt es sich, wenn ihr ein stabiles Case für euer Instrument habt, welches das geliebte Stück vor Transportschäden weitestgehend schützt. So ein Flightcase (z.B. von Thon, Rockcase usw.) ist stabil, kostet aber eben auch nochmal eine ganze Stange Geld extra. Aber dabei handelt es sich für Leute, die viel reisen, garantiert um eine gute Investition.

Welche Airline bietet welchen Service?

Lufthansa

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Habt ihr ein kleines Instrument, das ins Handgepäck passt – bei der Lufthansa darf das Gepäckstück dafür maximal 55 x 40 x 23 cm groß sein – so dürft ihr es mit in die Kabine nehmen. Passt das nicht, so könnt ihr die Gepäckfreigrenze von bis zu 32 Kilogramm für Instrument samt Case ausnutzen und beides im Gepäckraum verstauen lassen. Alles was schwerer als 32 Kilo ist und maximal 52 Kilogramm wiegt, gilt als Sondergepäck und muss extra angemeldet werden. Die Maximalabmessungen liegen bei 200 x 75 cm. Auf innereuropäischen Strecken fallen dafür 200 Euro extra an, bei Interkontinentalflügen sind es 300 Euro zusätzlich.

Eurowings

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Alles, was gleich groß oder gar kleiner wie eine Gitarre ist, darf mit ins Handgepäck. Voraussetzung: Es muss mindestens in einem Softcase verpackt sein, aber das versteht sich ja von selbst, wenn man mit dem Instrument auf Reisen geht. Alles andere, bis auf den Kontrabass, wird auf einem Extra-Seat in der Kabine befördert. Der kostet bei Buchung am gleichen Tag bis 24 Uhr genauso viel wie der eigene Sitzplatz. Wird später gebucht, gilt der tagesaktuelle Preis. Und auch hier wieder die schlechte Nachricht für Kontrabassisten: Dieses große Instrument wird ausschließlich im Hard-Case als aufgegebenes Gepäck befördert und kostet natürlich auch extra.

Air Berlin

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Hier dürfen Instrumente und Cases nicht größer als 55 x 40cm x 23 cm sein, wenn sie mit ins Handgepäck sollen. Alles, was größer ist, muss zunächst einmal bei dieser Airline gesondert angemeldet werden. Für alle Instrumente, die größer sind, muss ein zweiter Sitzplatz zur Verstauung gebucht werden. Je nach Größe des Gepäcks und nach Flugziel, kann es unter Umständen aber sogar günstiger sein, ihr lasst das gute Stück gleich im Gepäckraum verstauen. Hier reichen die Preise von 75 bis 250 Euro. Am besten ihr fragt vor dem Flug beim Service-Center der Airline nach.

Condor

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Bei Condor darf das Handgepäck in seinen Abmessungen laut den aktuellen Beförderungsbedingungen eine Größe von 55 x 40 x 20 cm und ein Gewicht von 6 Kilogramm in der Economy Class (10 kg in der Premium Class sowie 12 kg in der Business Class) nicht überschreiten. Ist euer Instrument samt Flightcase größer, so müsst ihr es vor Flugantritt bei der Airline anmelden und müsst euch die Annahme von der Fluglinie bestätigen lassen. Das kostet dann natürlich auch wieder extra.

KLM Deutschland

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Auch bei KLM wird das Gewicht des Gepäcks nach der gewählten Sitzkategorie extra eingeteilt. Das Instrument muss dabei aber zudem zwingend in einem Hartschalen-Case transportiert werden. In der Economy Class liegt die Gewichtsobergrenze für den Transport eines Musikinstrumentes anstatt eines Koffers oder zusätzlichen Koffers im Gepäckfach bei 23 Kilogramm, in der Business Class sind maximal 32 kg zulässig. Alles, was unter 158 cm Länge bleibt, muss vorher nicht extra angemeldet werden. Habt ihr ein Instrument, das länger als 300 cm und schwerer als 32 kg ist, so müsst ihr es vorher gesondert bei KLM anmelden und erhaltet bis mindestens 48 Stunden vor Abflug dann auch eine Bestätigung. Der zweite Weg bei KLM ist die Mitnahme im Handgepäck für alles, was genauso groß oder kleiner als eine Geige ist. Voraussetzung hier: Es muss in das Gepäckfach über den Sitzen passen. Alles, was weder ins Gepäckfach noch in das Fach für das Handgepäck passt, benötigt auch hier einen eigenen Sitzplatz, der vorher per KLM Telefonreservierung gebucht werden muss.

Easyjet

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So richtig komfortabel wird es dann bei Easyjet, denn hier darf das Handgepäck maximal 30 x 120 x 38 cm groß sein. Gut also für Geiger und Bratscher. Es darf bei allem, was unter diese Regelung fällt, aber auch kein weiteres Handgepäck bis auf ein kleines Zusatzgepäckstück (wie z.B. eine Damenhandtasche oder einen Laptop) mehr mitgeführt werden und das Musikinstrument darf dort nur mitfliegen, wenn noch ausreichend Platz dafür vorhanden ist, also lieber etwas früher da sein und rechtzeitig einchecken, um sich die besten Plätze im Gepäckfach über den Sitzen zu sichern. Cellisten dürfen für ihr Instrument einen Extra-Sitzplatz buchen. Dieser Sitzplatz muss im Buchungsvorgang auf den Namen MR CELLO SEAT reserviert und natürlich auch extra bezahlt werden. Für Geigen, Gitarren, Kontrabässe u.ä. gilt diese Regelung nicht! Sie wird ausschließlich auf das Cello angewandt. Alles, was die Maße fürs Handgepäck überschreitet und nicht mehr als 32 Kilogramm wiegt, muss dann ins Gepäckfach unter der Passagierkabine. Alle wichtigen Infos findet ihr noch einmal zusammengefasst in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Easyjet.

Ryanair

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Bei dieser Fluggesellschaft darf das Handgepäck maximal 55cm x 40cm x 20cm groß sein und höchstens 10 Kilogramm wiegen. Zusätzlich darf dann im Handgepäck noch eine kleine Tasche mit den Abmessungen bis zu 35cm x 20cm x 20cm mit eingecheckt werden.

Für alles andere hat Ryanair in die Beförderungsbedingungen im Artikel 8 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen folgende Ausführungen gemacht:
„Kleinere Musikinstrumente wie Gitarren, Violinen oder Violas, deren Maße die zulässigen Höchstabmessungen für Handgepäck jedoch überschreiten, können in der Kabine mitgeführt werden, wenn dafür ein eigener Sitzplatz gebucht und der anfallende Preis bezahlt wurde. Bei der Buchung von Zusatzplätzen für Ausrüstung gibt es keine zusätzliche persönliche Gepäckgrenze und kein Recht auf Mitnahme eines zusätzlichen Handgepäckstücks.
Wenn Sie einen Zusatzplatz für Ausrüstung buchen möchten, geben Sie bei der Buchung als Nachname “ITEM SEAT” und als Vorname “EXTRA” an. Ihre Buchung und Online-Bordkarte tragen dann den Vermerk “EXTRA ITEM SEAT”. Die Daten des Reisedokuments des begleitenden Fluggastes müssen beim Online-Check-In angegeben werden. Reservierte Sitzplӓtze an den Notausgӓngen in den Reihen 1, 16 und 17 kӧnnen nicht gekauft werden, wenn Sie bereits einen extra Sitzplatz für mehr Komfort / einen Gegenstand gekauft haben.“

Natürlich ist auch hier wieder das Höchstgewicht von 32 Kilogramm einzuhalten.

British Airways

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Bei der britischen Fluggesellschaft darf ein Handgepäckstück maximal 56 cm x 45 cm x 25 cm groß sein. Bleibt euer Musikinstrument also unter diesen Maßen, darf es ins Handgepäck. Ihr habt aber auch hier keinen Anspruch auf ein weiteres Gepäckstück im Handgepäck. Violine und sonst nix. So richtig großzügig werden die Briten dann beim Gewicht der Stücke, die sie im normalen Gepäckfach transportieren: bis zu 45 Kilogramm sind erlaubt und bei den Maßen sind 190 cm x 75 cm x 65 cm drin. Einzige Voraussetzung: Ihr müsst die Airline bis mindestens 24 Stunden vor eurem Abflug darüber informiert haben. Für Celli und Kontrabässe gelten auch hier Sonderregelungen, die ihr hier findet.

Air France

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Hier darf die Gitarre mit ins Handgepäck, wenn ihr dann kein weiteres Gepäckstück mehr dafür vorgesehen habt und sie in Länge, Breite und Tiefe 115 cm nicht überschreitet. Alles was größer ist, muss bis spätestens 48 Stunden vor Abflug beim Kundendienst angemeldet werden und bekommt einen Extra-Sitz, der natürlich auch gesondert bezahlt werden muss. Alles, was größer als 300 cm und schwerer als 32 Kilogramm ist, wird, ebenfalls nach vorheriger Anmeldung, in den Gepäckraum verbannt. In den Beförderungsbedingungen könnt ihr alles noch einmal genau nachlesen.

Frühzeitig informieren und buchen

Ihr seht also, jede Airline hat ihre eigenen Regeln und Auslegungen. Ein einheitliches, internationales Regelwerk würde die Sache für Fluglinien sowie auch für die Musiker wesentlich vereinfachen, aber davon sind wir wohl noch ein ganzes Stück weit entfernt. Dafür ist wohl auch einfach die Vielfalt an verwendeten Flugzeugtypen zu groß und der Wille zur Einigung zu gering. Bis es einmal so weit sein könnte, hilft euch immer nur eine frühzeitige Buchung, der vorherige Blick in die Beförderungsbedingungen der jeweiligen Airline und wenn immer noch etwas unklar sein sollte, ein Anruf oder eine Mail an die Service-Stelle der Airline selbst. Oft hilft es einfach schon, den Namen der Airline, mit der ihr fliegen wollt plus „Musikinstrumente“ bei Google ins Suchfeld einzugeben und schon erhaltet ihr ausführliche Informationen. Somit könnt ihr schon vor Antritt der Tour sicher sein, dass ihr auch wirklich alles mitnehmen könnt, was euch wichtig ist.

Bilder: © Malte Hempel, Flickr, Airlines

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