Welche Musik hörte der Pharao im alten Ägypten?

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Auch wenn bis heute niemand exakt weiß, welche Musik der Pharao im alten Ägypten hörte, so gibt es doch zahlreiche Hinweise darauf, dass das Musizieren und Tanzen im Reich für das öffentliche Leben eine große Rolle spielte. Leider gibt es aus dieser Zeit keine überlieferten Noten, einfach, weil es damals die heutige Form der Musikschreibung noch gar nicht gab. Auch wenn das heutige Wissen über das damalige Tonsystem vorrangig auf Vermutungen und Analogieschlüssen beruht, so gibt es doch auch einen großen Wissensschatz, der ein umfassendes Bild von einer damals hochentwickelten Musikkultur vermittelt. In diesem Artikel soll kurz beleuchtet werden, welche Instrumente von den alten Ägyptern verwandt wurden und welche Rolle die Musik für das Leben der Menschen damals hatte.

Musik bei privaten und öffentlichen Festen

Musik im alten Ägypten diente als Stimulans, um sich für die Arbeit zu motivieren, diente als Unterhaltung bei geselligen Anlässen im privaten Bereich der reichen Oberschicht, bei großen öffentlichen Festen oder auch bei rituellen Handlungen. Der Götterkult und die Untermalung der Rituale mit Musik gehören seit jeher zusammen. Im Pharaonischen Ägypten mit seiner Theokratischen Staatsform wurde sie zudem sogar als göttlichen Ursprungs angesehen. Der Ansicht der gottgleichen Pharaonen nach wurde sie von den Göttern Isis, Osiris und Thot für ihr Volk geschaffen. Die musikalischen Töne wurden damals auch als verbindendes Element zwischen Menschen und Göttern verstanden. Von der mächtigen und reichen Kaste der Priester-Musiker wurde damals Musik für Zeremonien, Prozessionen und großen religiösen Festen geschaffen. Wer sich heute von dieser Musik stimulieren und inspirieren lassen will, der kann beispielsweise auch eines der vielen Online-Games zocken, die mit Musik unterlegt sind, die so klingen soll, wie sich die Entwickler die Töne aus dem alten Reich vorstellen.



Welche Instrumente gab es damals schon?

Im alten Ägypten gab es keine Streichinstrumente wie die heutigen Geigen und Celli, aber sehr wohl gab es dort eine große Auswahl Zupf-, Blas-, Schlag- und Rasselinstrumenten. Zur Vorgabe und Unterstützung des Takts wurde einfach in die Hände geklatscht, mit den Füßen auf den Boden gestampft oder das Klirren des Tanzschmucks wurde rhythmisch eingesetzt.

Klapper- und Rasselinstrumente

Die wohl ältesten Instrumente waren dabei die Klappern. Diese Instrumente wurden aus Holz, Knochen, Elfenbein, Nilpferdzahn angefertigt und finden sich in verschiedensten Formen. Dabei reicht die Bandbreite von einfachen Gegenschlagstäben über paarweise Haken-, Kolben-, Gazellen- und Hasenkopfklappern bis zu solchen mit kunstvoll geschnitzten Männerköpfen. Auch die Rasseln sind typisch für die damalige Zeit. Einige davon wurden direkt aus Früchten nachgebildet, manche bestanden aus bauchigen, durchlöcherten Tonflaschen, die mit diversen Rassel-Teilchen gefüllt waren. Ein klassisches Instrument dieser Zeit, das später dann auch bei den Griechen und Römern wiederzufinden war, ist das Sistrum, das in den Bauformen Naos- oder Bügelsistrum am Häufigsten Verwendung fand.

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Saiteninstrumente

Bei den Saiteninstrumenten in Form von Zupfinstrumenten kannten die alten Ägypter die Harfe, die Leier und die Laute, wobei die Harfe wohl das Hauptzupfinstrument während der gesamten pharaonischen Zeit war. Im Alten Reich dominierte die mannshohe Benetharfe, im Mittleren Reich die buckelig gekrümmte, niedrige und gedrungene Kesselharfe und im Neuen Reich bevorzugte man die leichte und zierliche Schulterharfe sowie die Schwebeharfe. All diese Harfen wurden nur mit den bloßen Fingern gezupft, ohne die Zuhilfenahme eines Plektrums.

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Blasinstrumente

Bei den Blasinstrumenten ist die Lage am unübersichtlichsten und unsichersten. Klar scheint, dass es in allen pharaonischen Epochen Instrumente gab, die wir nach unseren heutigen Auffassungen zu den Holzblasinstrumenten zählen würden. Dabei haben sich die Instrumente in Bauart, Größe, Anzahl der Rohre und Spielweise (längs, schräg, quer, bei Doppelinstrumenten auch parallel oder abgewinkelt) teilweise unterscheiden. Im Alten Reich gab es wohl eine Kurzpfeife mit einem parallelen Doppelrohr. Im Mittleren Reich scheinen keinen neuen Instrumente hinzugekommen zu sein und im Neuen Reich fand sich dann, neben vielen anderen Instrumenten, auch eine Doppelpfeife, bei der die beiden Röhren im spitzen Winkel zueinander gehalten wurden.



Das Klangbild

Darüber kann man sich nur eine gewisse Vorstellung machen und Mutmaßungen anstellen. Um etwas darüber herauszufinden, haben Wissenschaftler einige Instrumente nachgebaut, um ihren Klang akustisch zu erforschen, denn die Größe, die Bauweise und das Material lassen Rückschlüsse auf Tonhöhe und Klangfülle der Instrumente zu. Zudem kann man bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen, wie sich Händeklatschen und Fußstampfen, Klappern und Rasseln, Trommeln und Pauken und das metallische Sistrum angehört haben müssen. So kann man nach der Zusammenfassung all dieser Ergebnisse wohl nur feststellen, dass es sich im Alten Reich um eine eher leise und eindringliche Musik gehandelt haben muss, die sich dann im Laufe der Zeit zu einer klangvolleren und rauschenden Musik im Neuen Reich entwickelt haben muss. Weil zu dieser Zeit dann eine reichhaltigere Instrumentierung zur Verfügung stand und die Instrumente auch allgemein etwas größer und damit mächtiger im Klang wurden, nahm im Neuen Reich die Prachtentfaltung und die Klangfülle zu. Dennoch weiß man leider nur sehr wenig Konkretes darüber, wie denn nun die Musik letztendlich geklungen haben muss.

Bilder: © ketrin1407, Andreas Praefcke, Matthias Seidel, Flickr, commons.wikimedia

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