Erstmals seit 37 Jahren: Neue MIDI 2.0 Spezifikationen enthüllt

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Seit den 1980er Jahren galt der Standard Musical Instruments Digital Interface als Grundlage für viele digitale Musikproduktionen. Seit 1983 galt die Version 1.0 und nun hat die über den Digitalstandard wachende Organisation MMA (MIDI Manufacturer Association) gemeinsam mit der AMEI (Music Electronic Industry) die neuen MIDI 2.0 Spezifikationen enthüllt. Auf welche Verbesserungen die Musikproduzenten nun erstmals seit 37 Jahren hoffen können, erklären wir in unserem Beitrag.

Die Organisation MMA sieht in dem erstmals seit 37 Jahren veränderten Standard für digitale Musikproduktionen „den größten Fortschritt in der Musiktechnologie seit Jahrzehnten”. Mit den neu enthüllten MIDI 2.0 Spezifikationen wird nun erstmals eine voll nutzbare, bidirektionale Kommunikation ermöglicht. So wird aus dem Monolog (vom Sender zum Empfänger) nun ein echter Dialog zwischen beiden Parteien. Zwei Geräte, welche mit dem neuen Standard ausgerüstet sind, können dann auf diesem Weg unter anderem Informationen über ihre Ressourcen austauschen.

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Verbessertes Timing und viel höhere Auflösung

Damit sollen dann auch Probleme beim Timing der Vergangenheit angehören. Denn bislang wurden alle Daten per MIDI seriell ausgetauscht, was zu Ungenauigkeiten und auch zu Verzögerungen führen konnte. Bisher wurden zudem Parameter wie die Lautstärke oder die Grenzfrequenz eines Filters nur mit 7 Bit aufgelöst. Da konnte es schon einmal bei besonders expressiven Mixes zu Problemen kommen. Die Industrie konnte nun die Auflösung der Anschlagstärke von 7 auf 16 Bit (also von 128 auf 65.536 Werte) erhöhen und die Auflösung von Aftertouch und den übrigen CC-Messages konnte man sogar von 7 auf 32 Bit nach oben schrauben. Bislang war auch nur eine Gruppe mit 16 Kanälen möglich, während mit dem neuen Standard 16 Gruppen mit jeweils 16 Kanälen (also insgesamt maximal 256 Kanäle) möglich sind. Hierbei stehen sieben Gruppen für Geräte mit MIDI 1.0 zur Verfügung, während die restlichen neun Gruppen für MIDI 2.0 reserviert sind.

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Auch abwärtskompatibel

Damit alte Geräte aus den 1980er Jahren nicht auf dem Schrott landen und auch mit dem neuen Standard benutzbar bleiben, haben die Entwickler für eine Abwärtskompatibilität gesorgt. Dafür haben sich die Entwickler auf MIDI Capability Inquiry (MIDI-CI) geeinigt – ein Mechanismus, der sicherstellt, dass zwei verbundene Geräte zunächst untereinander aushandeln, welche Funktionen von beiden Devices unterstützt werden. Im Anschluss daran bilden Beide die Schnittmenge, anhand derer sie gemeinsam arbeiten können. Drei Schlüssel-Elemente lassen sich so aktivieren: Die Konfiguration des Profils, der Austausch von Eigenschaften sowie das Übertragen von Protokollen.

Roland A-88MKII in den Startlöchern

Mit seinem Roland A-88MKII MIDI-Controller hat das Unternehmen nun das wohl erste Gerät für den Marktstart angekündigt, welches den neuen Standard beherrschen soll. Die neue Version vom Controller-Keyboard kommt mit der PHA-4 Klaviatur mit Ivory Feel und 88 Tasten daher. Für einen Preis von 949 Euro (UVP) soll das neue Roland-Keyboard schon im März 2020 auf den Markt kommen.

Foto: © Jonathan Sloan, Flickr, midi.org

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