Der Klavierkauf

Als Lehrer werde ich häufig gefragt, welches Klavier sich für den Anfang besonders eignet und worauf beim Kauf geachtet werden sollte. Auch wollen meine Schüler wissen, ob auch ein gebrauchtes Instrument ausreichend ist und welchen Preis sie einkalkulieren sollten. Aus diesem Anlass gebe ich auch Dir einen kleinen Einblick in die Tastenwelt.

Für die individuellen Bedürfnisse gibt es verschiedene Typen des Klaviers. Den richtigen Typus zu finden gilt es als erstes herauszufinden. Hier kommt es vor allen Dingen auf den Anschlag des Instruments, die Lautstärke, die Bedienung und den Funktionsumfang an. Oft werden auch andere Tasteninstrumente wie das Keyboard für den Anfang in Erwägung gezogen.

Das Keyboard

Für den Klavierspieler – ob Anfänger oder Profi – ist das Keyboard am wenigsten geeignet. Abgesehen von dem fehlenden Umfang, ist die Tastatur nicht gewichtet und hilft nicht bei der Entwicklung des Spielgefühls. Anfängern, die auf einem Klavier Unterricht nehmen, fällt es schwer, sich auf die leichten Tasten einzustellen. Bei Kindern bis etwa 10 Jahren ist dies besonders gefährlich, da sie sich auf die leichten einstellen und mit den schweren Tasten des Klaviers nicht mehr zurecht kommen.

Yamaha PSR-413

Yamaha PSR-413 (Bild: yamaha.com)

Einige Einsteigermodelle unterscheiden zudem nicht zwischen lauten und leisen Tönen. Die Klavierklänge weichen gerade bei preiswerten Instrumenten sehr stark vom Original ab und können demotivierend wirken. Wenn Du dennoch ein Keyboard für den Anfang in Erwägung ziehst, solltest Du Dic gerade wegen dem Anschlag spätestens nach drei Monaten nach einem besseren Instrument umsehen. Gute Einsteigermodelle wie das Yamaha PSR-E 433* sind ab etwa 300 Euro erhältlich.

Das E-Piano

Die preiswerteste elektronische Form eines Klaviers ist das E-Piano. Es verfügt über 88 Tasten und entspricht damit dem Umfang eines richtigen Klaviers. In den meisten Fällen besteht die Tastatur aus einer sogenannten “Hammermechanik”, die das Spielgefühl eines akustischen Instruments nachahmt. Auch hier gibt es bei Einsteigerinstrumenten Qualitätsunterschiede. Auf eine “gewichtete Tastatur” besonders preiswerter E-Pianos sollte auch der Anfänger verzichten.

Kawai CN42

Kawai CN42 (Bild: kawaius.com)

Der Vorteil eines E-Pianos liegt vor allen Dingen in der Elektronik. Gerade in Wohnungen können akustische Instrumente die Nachbarn stören. Die elektronischen Verwandten kann der Spieler wesentlich leiser drehen oder gar mit Kopfhörern spielen. Auch fallen die Kosten eines Klavierstimmers weg. Ein eingebautes Metronom und die Möglichkeit, mehrstimmig aufzunehmen, machen das E-Piano zum perfekten Übungsinstrument.

Sofern das E-Piano nicht an einer Wand stehen soll, solltest Du auf eine durchgehende Rückwand achten, da sich der Klang dann besser zum Spieler ausbreiten kann. Der Anschlag und der Klang des Instruments sind reine Geschmackssache. Gehe dazu auf jeden Fall in ein Musikgeschäft und probiere einige Instrumente aus. Für Einsteiger kosten E-Pianos etwa 1.000 Euro. Die Firma Yamaha bietet seit Januar 2010 auch wieder ein preiswerteres Instrument an, das allerdings etwas dünn klingt.

Das Stage-Piano

Wie der Name schon sagt, ist das Stage-Piano vorwiegend für die Bühne konzipiert. Es ist wesentlich robuster als das E-Piano und erzeugt in den meisten Fällen einen sehr angenehmen Klavier-Klang. Allerdings verfügen viele Stage-Pianos über keine Internen Boxen, da sie auf der Bühne zumeist keine Verwendung finden. Es ist sehr transportabel und kann zuhause sehr platzsparend aufgestellt werden. Das Stage-Piano passt auf einen handelsüblichen Keyboardständer.

Roland RD-300sx

Roland RD-300sx (Bild: roland.com)

Die zumeist sehr hochwertigen Instrumente benötigen allerdings ein zusätzliches Pedal, das nur in seltenen Fällen mitgeliefert wird. Mit etwa 1.500 Euro kosten gute Einsteigermodelle wie das Roland RD-300 NX* nur wenig mehr als ein E-Piano. Einige Anbieter gehen zwar auch weit unter diesen Wert, halten aber nur sehr selten was sie versprechen. Wenn Du Dich für ein Stage-Piano interessierst, solltest Du Dich es ebenfalls zuerst im Laden ausprobieren, um die richtige Tastatur und den passenden Klang zu finden.

Das akustische Klavier

Wenn Spielgefühl wichtig und der Geldbeutel nicht zu klein ist, solltest Du mit einem akustischen Klavier vorlieb nehmen. Die Tastatur ist immer noch ein Stück besser als beim E-Piano mit der besten Hammermechanik. Aber auch Klaviere unterscheiden sich stark in der Gewichtung der Tasten. Die Anschaffungskosten fallen wesentlich höher aus als bei den elektronischen Kollegen. Mit 2.800 Euro bist Du bei einem guten Einsteigermodell wie dem Yamaha B1 dabei.

Yamaha B1

Yamaha B1 (Bild: yamaha.com)

Das akustische Klavier kann aber schnell zum Störenfried in einer Wohnung werden, deshalb solltest Du unbedingt vorher mit den Nachbarn sprechen. Für den Transport benötigst Du vier starke Männer, der Umzug wird wesentlich teurer als gewöhnlich. Hinzu kommen regelmäßige Kosten für den Klavierstimmer, denn gerade bei Durchzug oder an einer Außenwand verstimmt sich das Klavier sehr schnell. Beim Neukauf ist die erste Stimmung zumeist im Preis inbegriffen.

Das Silent-Piano

Wer nicht auf die Vorzüge eines akustischen Klaviers verzichten möchte, dennoch eine Möglichkeit sucht, das Klavier wesentlich leiser zu spielen, sollte einmal das Silent-Piano ausprobieren. Es funktioniert genauso wie ein akustisches Klavier, ist mit Saiten und der normalen Mechanik des Halbbruders ausgestattet. Über eine zusätzliche Mechanik kann aber der Klang des Klaviers ausgeschaltet werden. Stattdessen wird der Klang elektronisch erzeugt und kann so leiser gedreht oder über einen Kopfhörer gespielt werden.

Das Silent-Piano stellt also eine Kreuzung aus einem elektronischen und akustischen Klavier dar. Auch das Aufzeichnen der gespielten Stücke ist möglich. Mit einem Preis ab 24.400 Euro – wie etwa für das Yamaha B1 Silent – sind Einsteigerklaviere dieser Gattung allerdings wesentlich teurer als normale  akustische Klaviere und sind nur bei Problemen mit dem Nachbarn eine Überlegung wert. Auch Kosten für den Klavierstimmer fallen an.

Der Flügel

Bechstein D-280

Bechstein D-280 (Bild: bechstein.com)

Für Einsteiger ist der Flügel wegen seinen hohen Kosten völlig ungeeignet. Er verträgt sich nur mit großen Zimmern, auch die Lautstärke eines Flügels ist zu bedenken.Trotzdem ist der schlechteste Flügel immer noch besser als das beste Klavier. Einstiegspreise von 9.000 Euro für einen relativ kurzen Stutzflügel mit etwa 1,50 Länge entsprechen einem gebrauchten Wagen. Für einen großen Flügel muss der Käufer mit etwa 21.000 Euro auf einen Mittelklassewagen verzichten. Silent-Flügel kosten etwa 18.000 Euro.

Zum Abschluss

Mit diesem Überblick solltest Du in der Lage sein, Dir ein nach Deinen Bedürfnissen abgestimmtes Instrument auszusuchen. Natürlich gibt es auch beim Klavierkauf besonders günstige Modelle, die aber selten auf Dauer Qualität und Spielfreude mit sich bringen. Eine Alternative ist der relativ große Gebrauchtmarkt. Hier solltest Du besonders auf Verschleißteile achten. Im nachfolgenden Artikel “Gebrauchte Klaviere kaufen” erhältst Du alle dafür nötigen Tipps.
VG Wort

Autor: Mirko Schubert

Mirko ist der einstige Gründer von Musiker Knowhow. Als Diplom-Musikpädagoge (FH), Komponist und Journalist liebt er es, musikalisches Wissen an andere weiter zu geben. Er unterrichtete bereits über 10 Jahre an verschiedenen Musikschulen die Fächer Klavier, Keyboard, Gesang und Songwriting.

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1 Kommentar

  1. Danke für den Artikel. Er stellt die verschiedenen Instrumente gut dar. Selbstverständlich hätte ich gerne einen Flügel und ein Haus dazu ;), lässt sich finanziell aber nicht einrichten.

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