Haltung bewahren: Richtig sitzen am Klavier

Wer Klavier lernen möchte, sollte sich als aller erstes die richtige Haltung angewöhnen. Damit kannst Du nicht zeitig genug anfangen, da Haltungsschäden und Rückenprobleme ernst zu nehmende Gefahren bei Pianisten sind. Deshalb möchte ich Dir heute einige Grundlagen zur Sitz- und Fingerhaltung näher bringen.

Wenn es nicht der Deckel des Flügels ist, der Dir bei Unachtsamkeit die Finger einklemmt, so gehören Schäden im Rücken und im Handgelenk definitiv zu den größten Gefahren. Ich möchte Dir natürlich keine Angst damit machen – Du kannst ohne weiteres diesen Gefahren entgegen wirken, indem Du besonders am Anfang einige Regeln beachtest.

Sitzhöhe und Position

Sitzhöhe und Position

Die Unterarme sollten parallel zum Boden verlaufen. (Bild: sxc.hu)

Im Normalfall sitzt Du in der Mitte des Klaviers. Bei den üblichen 88 Tasten ist dies ungefähr vor dem eingestrichenen C der Fall. Früher hatten viele Klaviere und Flügel ein Schlüsselloch, an dem sich der angehende Pianist orientieren konnte. Aber auch der Schriftzug des Herstellers hilft zur Positionierung. Du solltest mit Deinem Oberkörper parallel zur Klaviatur sitzen und ihn auch beim Herüberbeugen zu höheren oder tieferen Lagen nicht verdrehen. Setze Dich so weit vom Klavier weg, dass Deine Oberarme locker hängen können und Du sie nicht zum Klavier strecken musst.

Keyboard-Hocker sind nur bedingt für das Klavierspiel geeignet. Am besten verwendest Du einen verstellbaren Klavierhocker oder eine Klavierbank. Bei beiden kann die Sitzhöhe optimal angepasst werden. Dabei solltest Du darauf achten, dass die Unterarme in etwa parallel zum Boden laufen. Sitze dabei unbedingt gerade und mache keinen krummen Rücken. Je nachdem, wie Deine Fingerhaltung ausfällt und wie groß Du bist, kann die Höhe variieren. Deine Arme solltest Du dabei locker nach hinten wegziehen können, ohne die Ellenbogen übermäßig herauszustrecken.

Die “richtige” Fingerhaltung

Auch wenn Dir einige Lehrer etwas anderes erzählen werden, gibt es eigentlich keine “richtige” Fingerhaltung. Im wesentlichen gibt es zwei Schulen: Stelle Dir vor, dass Du in Deiner Hand eine Apfelsine hältst und die Finger dann in dieser Stellung locker auf der Tastatur liegen. Dabei wird das untere Glied der meisten Finger etwa senkrecht auf den Tasten liegen. Dazu brauchst Du sehr kurze Fingernägel, damit auch mit den Fingerkuppen spielen kannst. Diese Haltung kann gerade am Anfang aber schnell zu Verspannungen führen.

Fingerhaltung am Klavier

Fingerhaltung am Klavier (Bild: sxc.hu/ timv)

Eine zweite Ansicht geht davon aus, dass die Finger fast lang ausgestreckt sind. Dementsprechend sitzt Du ein kleines Stück tiefer als bei der ersten Handhaltung. Für Anfänger ist diese Haltung eher nicht geeignet, da sich die Hebelwirkung der Tasten vergrößert und Du mehr Kraft für einen anständigen Ton brauchst.

Probieren am besten einmal beide Handhaltungen aus und suche Dir eine angenehme Position zwischen beiden Schulen. Wichtig ist insbesondere, dass Du Dich wohlfühlst und sowohl in den Fingern als auch im Handgelenk locker bist. Beim Handgelenk solltest Du außerdem darauf achten, dass der Handrücken und Unterarm eine Linie bilden. Du solltest also weder auf den Tasten “hängen”, noch das Handgelenk übermäßig herausstrecken.

Bloß keinen Zwang!

Die Geschichte großer Klassiker hat bereits gezeigt, dass sich Zwang immer negativ auf die Finger auswirkt und zu unschönen Erfahrungen führen kann. Sehe die hier vorgestellte Haltung als Ideal an und versuche Dich, danach zu richten. Du solltest Dich aber niemals dazu zwingen, diese Haltung dauerhaft so auszuführen. Beobachte Dich und korrigiere Deine Hände immer wieder einmal, wenn Dir etwas negativ auffällt. Setze Dich dabei nicht unter Druck: Du musst Dich zuerst an die ungewohnte Haltung gewöhnen. Am aller wichtigsten ist es, dass Du so locker wie möglich herangehst. Das Handgelenk und die Schultern sind hier die größten Feinde, die immer wieder einmal der Lockerheit entgegenwirken wollen.

Autor: Mirko Schubert

Mirko ist der einstige Gründer von Musiker Knowhow. Als Diplom-Musikpädagoge (FH), Komponist und Journalist liebt er es, musikalisches Wissen an andere weiter zu geben. Er unterrichtete bereits über 10 Jahre an verschiedenen Musikschulen die Fächer Klavier, Keyboard, Gesang und Songwriting.

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3 Kommentare

  1. Wie hoch soll die Klavierbank sein? Sollen die Hände von oben auf die Tasten fallen, muss die Bank meist bis zum Anschlag hochgedreht sein. Ist das gewollt?

    • Wie bereits im Beitrag erwähnt ist es am Besten, wenn deine Unterarme horizontal liegen. Stelle dir also ungefähr einen 90 Grad Winkel der Armbeuge vor. Dabei solltest Du wie gesagt darauf achten, dass deine Körpergröße sowie Armlänge dafür ausschlaggebend sind, inweit weit du diese Richtwerte übernehmen solltest. Grundlegend ist es optimal, wenn du beim Spiel keine Verkrampfungen oder Schmerzen aufgrund der Haltung verspürst. Daher solltest du verschiedene Höhen einmal ausprobieren. Dabei gilt: Lockerheit in den Armen und Händen bei gleichzeitiger Grundspannung im Rücken sind das Wichtigste und führen so zu einem “gesunden” Spiel.

  2. Pingback: Wozu braucht man einen Klavierhocker? - klavierbank-und-co.de

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