Wie war das mit den Kirchentonleitern?

Ob es nun Musik aus dem Mittelalter sein muss, oder lieber in aktueller, Rock-, Pop- oder Jazzmusik, ob in Chorälen oder heavy Rock-Solos, um Kirchentonleitern kommt kein professioneller Musiker herum. Doch wie ist das gleich nochmal mit diesen Kirchentonleitern? Da war doch etwas mit Halb- und Ganztonschritten, oder? Oder gibt es eine bessere Erklärung?

Die aus der frühchristlichen Liturgie entstammenden Modi werden ja gern über die Verschiebungen der Halbtonschritte in einer Tonleiter, zumeist ausgehend von Dur erklärt. Viele Lehrer in den allgemeinbildenen Schulen predigen dies und wundern sich dann, warum kein Schüler etwas versteht. Oder es einfach auswendig büffelt. Selbst Wikipedia schreibt:

Die Kirchentonarten sind eigentlich keine Tonarten, sondern Tonleitern (Skalen), die sich durch eine individuelle Abfolge von Ganz- und Halbtonschritten definieren. Die Dur- und Moll-Tonleitern sind eine Teilmenge der erweiterten Modi.

…und verliert sich dann in kryptischen Erklärungen. Dass sie Modi allerdings ein und der selben Tonleiter entspringen wird dabei unbeachtet gelassen.

Mithilfe der Stufenharmonik wird dies allerdings etwas einfacher: Jedem leitereigenen Akkord auf seiner entsprechenden Stufe wird eine Kirchentonleiter mit ähnlichen Eigenschaften wie dem dazugehörigen Akkord zugeordnet. Daraus ergibt sich dann folgendes:

  • Stufe I – Dur (ionisch), klingt nach Dur
  • Stufe II – Dorisch, klingt nach Moll
  • Stufe III – Phrygisch, klingt nach Moll
  • Stufe IV – Lydisch, klingt nach Dur
  • Stufe V(7) – Mixolydisch, klingt nach Dur mit kleiner Septime
  • Stufe VI – reines Moll (äolisch), klingt natürlich nach Moll
  • Stufe VII – lokrisch, klingt nach Vermindert (Mollterz, verminderte Quinte)

Daraus ergibt sich, dass wenn ich z.B. Mixolydisch von F suche eigentlich nichts anderes spiele, als Bb-Dur von der 5. Stufe. Oder beim Spielen einer Quintfallkadenz (z.B. VI-II-V-I) nichts anderes als Dur der 1. Stufe. Das spart mir schon mal sich erst sämtliche Kirchentonleitern zusammen zu suchen. Ich kann also einfach losspielen.

Wenn man sich das Ganze noch ein wenig genauer anschaut, wird man feststellen dass die einzelnen Modi sich eigentlich nur in einem Ton (bei Lokrisch zwei) von einer Dur- oder Molltonleiter unterscheiden. Zum Beispiel:

  • Stufe II – Dorisch, klingt nach Moll – ist eine reine Molltonleiter wobei sich der 6. Ton erhöht

Das kann sehr helfen, sie gehörlich zu erkennen. Probiert doch einfach mal die anderen Modi aus. In welchem Ton ändern sie sich gegenüber der entsprechenden Dur- bzw. Molltonleiter?
VG Wort

Autor: Mirko Schubert

Mirko ist der einstige Gründer von Musiker Knowhow. Als Diplom-Musikpädagoge (FH), Komponist und Journalist liebt er es, musikalisches Wissen an andere weiter zu geben. Er unterrichtete bereits über 10 Jahre an verschiedenen Musikschulen die Fächer Klavier, Keyboard, Gesang und Songwriting.

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