Notennamen: Warum die US-Bezeichnung am besten ist

Noten lesen funktioniert zwar auch ohne dass Du die dazugehörigen Notennamen kennst. Doch spätestens wenn Du mit anderen Musikern kommunizieren möchtest, sind diese Bezeichnungen wichtig. “Spiel doch mal ein G” oder “Jammen wir heute mal in Fis-Dur” klingt einfach wesentlich besser, als wenn man sich erst mit Händen und Füßen oder durch Zeigen des Tons auf der Tastatur oder dem Griffbrett verständigen muss. Doch auch bei den Notennamen gibt es Fallstricke, denn in verschiedenen Ländern herrschen auch andere Sitten.

Um den Artikel als Einsteiger verstehen zu können solltest Du bereits unseren Beitrag Noten lesen – Der Trick gelesen haben. Dann kannst Du anhand der musikalischen Linie und Notenschlüssel auch die dazu passenden Notennamen herausfinden.

Damit Du den Überblick nicht verlierst, beschränken wir uns auf das deutsche und amerikanische Notensystem. Natürlich gibt es auch noch andere, so haben spanisch-sprechende Länder beispielsweise Bezeichnungen, die dem Solfege-System (do re mi fa so la ti do) verwandt sind. Fangen wir mit dem leichtesten Notensystem an:

Das amerikanische Notensystem

Die amerikanische Nation macht es sich bezüglich den Notennamen am einfachsten. Ausgangspunkt aller Noten ist hierbei der so genannte Kammerton. Nach diesem werden Instrumente üblicherweise gestimmt. Die Schwingung des Kammertons beträgt 440 Hertz, insbesondere bei Orchesterstimmungen weicht die Angabe geringfügig nach oben ab. Diesen Ton solltest Du auch von der Stimmgabel kennen, früher spielten auch Telefonleitungen und Fernsehsender (als es noch nicht den 24-Stunden-Livebetrieb hab) diese Frequenz ab.

Notennamen

Unsere lieben US-Bürger bezeichnen diesen Ton ganz einfach als A und zählen so lang das Alphabet durch, bis der Ton wieder wie der Kammerton klingt, weil sich die Frequenz verdoppelt hat. Auch bei den Notennamen mit Vorzeichen liegt Amerika klar in Führung: Welches Vorzeichen auch immer gerade vor der Note steht, wird bei der Bezeichnung des Tons hintenan gestellt. Im Englischen wird dabei zu jedem Kreuz (#) “sharp” gesagt und für jedes B (b) “flat”. Aus dem deutschen Cis wird also C# (sprich: C sharp) und aus dem As wird Ab (sprich: A flat). Einfach, oder?

Das deutsche Notensystem

Man munkelt, dass es bei den deutschen Notennamen ganz ähnlich war. Doch irgendjemand sollte einmal die Notenbezeichnung B aufschreiben. Er versuchte es mit einem Kleinbuchstaben und zog den Bogen des “b” nicht ganz zusammen. Fortan wurde unser B als H bezeichnet. Natürlich ist diese Anekdote unbestätigt, doch recht glaubhaft. Unerklärt bleibt es jedoch, dass die Deutschen vom C aus anfangen zu zählen. Vielleicht konnten sie sich den Ton einfach auf der Klaviatur besser merken.

Notennamen der Kreuze und Bs

Noch schwieriger wird es bei den Notennamen mit Vorzeichen. Im Allgemeinen lässt sich auch hier wieder eine Regel bilden. Für jedes Kreuz wird ein “is” an den Notennamen angehangen, für jedes B ein “es”. Bei den Kreuzen klappt das auch ganz gut, nur die Bs haben viele Ausnahmen. Aus “Ees” wird einfach ein Es gemacht, Aes mutiert zum As. Am Schlimmsten ist die Ausnahme des deutschen H mit einem B davor: Der Ton heißt nicht etwa Hes, sondern B.

Welches System ist nun besser?

In den meisten Musikschulen und im Musikunterricht in allgemeinbildenden Schulen wird natürlich das deutsche Notensystem unterrichtet. Schließlich leben wir hier in Deutschland. Nur ist dieses System unserer Meinung nach viel zu schwer für den Einsteiger. Das amerikanische System hingegen ist fast selbsterklärend, denn das Alphabet kennen die meisten Deutschen im Schlaf und die Kreuze und Bs folgen einer logischen Ordnung.

Deshalb plädieren wir für die amerikanischen Notennamen. Auch Lehrer an Musikschulen sollten dies beherzigen. Es sollten auf jeden Fall beide Systeme erklärt werden, denn das US-Notensystem ist in den meisten heute erhältlichen Notenbüchern in den Akkordsymbolen enthalten. In meinem eigenen Lehrbetrieb bin ich dazu übergegangen, den Schüler oder die Schülerin nach einigen Erklärungen vor die Wahl zu stellen. Wer es trotzdem Deutsch mag, schreibt das amerikanische und spricht das deutsche Notensystem. Die meisten Schüler von mir haben sich jedoch für eine komplett englische Herangehensweise entschieden.

Hier auf Musiker Knowhow verwenden wir (mit einigen frühen Ausnahmen) die amerikanischen Notennamen. Beim B vermerken wir jedoch stets das deutsche H, damit es nicht zu Verwechslungen kommt. Wie findest Du die allgemeine Situation zum amerikanischen und deutschen Notensystem? Welches System verwendest Du am liebsten? Berichte uns von Deinen Erfahrungen in den Kommentaren! VG Wort

Autor: Mirko Schubert

Mirko ist der einstige Gründer von Musiker Knowhow. Als Diplom-Musikpädagoge (FH), Komponist und Journalist liebt er es, musikalisches Wissen an andere weiter zu geben. Er unterrichtete bereits über 10 Jahre an verschiedenen Musikschulen die Fächer Klavier, Keyboard, Gesang und Songwriting.

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2 Kommentare

  1. Liegt es nicht näher im deutschen Bb zu schreiben, statt das amerikanische B mit dem deutschen H zu annotieren. Dann sind B und H klar unterscheidbar, denn im amerikanischen gibts ja kein H, und wenn ihr im auch deutschen immer das selbsterklärende Bb schreibt gibt es keine Verwechslungsmöglichkeit, egal ob Bb B oder Bb H.

    Abgesehen davon ist das deutsche System nicht wirklich schwerer, sobald man einmal begriffen hat dass das H an sich ein B ist ;) und darum das Bb faulerweise nur B geschrieben wird. Und Cis spricht sich – ausnahmsweise – viel kürzer und eleganter als das amerikanische c sharp.

  2. Die Ursprünge der deutschen Notennamen H und B aus b quadratum und b rotundum und in direkter Verbindung mit der Gestalt von ♮ und ♭ sind wohlbekannt und dokumentiert. Da mutet die Erfindung einer eigenen Historie etwas befremdlich an.

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