Musik studieren: So klappt es mit der Aufnahme

Der eine oder andere denkt vielleicht darüber nach, die Musik zum Beruf zu machen. Und daran ist auch nichts verkehrt, denn ein Beruf aus Leidenschaft ist ein guter Beruf. Wer Musik studieren möchte, sollte sich aber gut vorbereiten, denn ein gutes Abitur reicht für fast alle Musikhochschulen nicht aus.

Ob Du mit Deiner Band auftreten, hinter dem Mischpult oder vor Schülern stehen möchtest, ein Studium öffnet Dir in der Musikbranche viele Türen. Auch wenn gerade ausübende Künstler gern der Meinung sind, dass es nur darauf ankommt, sein Instrument gut zu beherrschen, zahlt sich ein Diplom oder Bachelor of Arts aus.

Wer Musik studieren möchte, sollte sich aber bewusst sein, dass die Einnahmen aus Plattenverkäufen und Auftritten oft nicht zum Leben ausreichen. Deshalb greifen viele Musiker zusätzlich zu einer pädagogischen Ausbildung, mit der sie dann privat oder in einer Musikschule unterrichten können. Auch andere Möglichkeiten eröffnen sich durch bestimmte Studiengänge oder Zusatzausbildungen.

Studiengänge der Musik

In vielen größeren Städten gibt es Musikhochschulen – zumeist mit der Abkürzung HfM (Hochschule für Musik) – an denen Du Musik studieren kannst. Dabei kannst Du auf Deinem eigenen Instrument ausgebildet werden, um in Deiner Laufbahn vor allen Dingen als Berufsmusiker in Bands oder solo zu spielen oder zu singen. Die meisten Hochschulen trennen dabei strikt die klassische Ausbildung von der Popularmusik, so dass Du Dich für eins entscheiden musst.

Doch auch andere Studiengänge kannst Du in Betracht ziehen, wenn Du nicht den Fokus auf Dein Instrument legen möchtest. So gibt es die Möglichkeit, Komposition und/ oder Musiktheorie zu studieren. Einige Universitäten bieten zudem Musikgeschichte und Musikwissenschaft an, wobei Du Dich wirklich dafür interessieren solltest, denn viele Musiker empfinden diese Studiengänge als zu “trocken”.

Im pädagogischen Sektor kannst Du ebenfalls Musik studieren. Wer eine instrumentale Ausbildung bevorzugt, kann die Musikpädagogik später als Wahlfach hinzu nehmen. Die Ausbildung ist allerdings sehr oberflächlich. Wer gern in Musikschulen unterrichten möchte, sollte daher Musikpädagogik als Hauptfach wählen. Nur wenige Musikhochschulen bieten dies an, in Deutschland gibt es außerdem zwei Fachhochschulen, die Musikpädagogik als Hauptstudiengang ausschreiben.

Wer Musik in allgemeinbildenden Schulen unterrichten möchte, sollte auf Lehramt studieren. Musik als eines der Fächer wird dann unter dem Begriff “Schulmusik” in einer Musikhochschule unterrichtet. Für das zweite Fach musst Du dann in eine andere Hochschule oder Universität pendeln.

Zu guter Letzt gibt es auch noch die Möglichkeit, einen technischen Beruf wie etwa Toningenieur oder Tonmeister zu studieren. Neben vielen Musikhochschulen kannst Du diese Studiengänge auch an einigen privaten Institutionen erlernen. Einige dieser Ausbildungsstätten sind aber so in Verruf geraten, dass die Jobchancen in vielen Studios gegen Null tendieren.

Voraussetzungen für das Studium

Die meisten Studiengänge außerhalb der Musik kannst Du je nach Numerus Clausus mit einem guten Abitur besuchen. Bei einigen ohne NC brauchst Du Dich sogar nur einschreiben und die Studiengebühren zu bezahlen. Wenn Du aber Musik studieren möchtest, kommst Du um eine Aufnahmeprüfung und einige Referenzen nur in wenigen Studiengängen herum. Dein Hauptfach solltest Du zudem mindestens seit 10 Jahren spielen und vielleicht sogar einige Auszeichnungen vorweisen können.

Das liegt vor allen Dingen daran, dass man im Normalfall viele Jahre dazu braucht, um ein Instrument zu beherrschen. Natürlich ist auch die allgemeine Hochschulreife wichtig, allerdings werden hier öfter einmal Ausnahmen bei außergewöhnlichem Talent gemacht.

Die Aufnahmeprüfung wird zumeist in drei Abschnitte unterteilt. Zuerst wird Musiktheorie und Gehörbildung geprüft. Hat der Anwärter dort bestanden, geht es weiter zum Pflichtfach. In instrumentalen und pädagogischen Studiengängen handelt es sich dabei um Klavier, es sei denn, man hat Klavier als Hauptfach gewählt. Versagst Du dort ganz, geht es gar nicht erst zur Hauptfach-Prüfung weiter.

Auch in den technischen Studiengängen ist es erforderlich, vorab das Gehör zu trainieren und mindestens ein Instrument spielen zu können. Nimm also auch als angehender Toningenieur nicht die musikalische Ausbildung auf die leichte Schulter!

Vorbereitungen zum Musik studieren

Bei der Vorbereitung solltest Du Dich insbesondere auf Musiktheorie/ Gehörbildung konzentrieren. Viele unterschätzen diese Prüfung, da die Fächer im Studium dann nur Nebenfächer sind. Doch viele Hochschulen sortieren insbesondere im theoretischen Bereich bereits aus, wenn die Zahl der Bewerber den vorhandenen Studienplätzen deutlich überlegen ist.

Die Gehörbildung umfasst vor allen Dingen das Erkennen von Intervallen, Akkorden und Kirchentonleitern. Auch ein Rhythmusdiktat und ein (mehrstimmiges) Melodiediktat werden häufig abgefragt. Dabei ist die Zeit zum Erkennen zumeist sehr begrenzt.

Bei der Musiktheorie sind ebenfalls Intervalle, Akkorde und Kirchentonleitern/ Skalen auf dem Tagesplan. Zudem musst Du eine Melodie harmonisieren oder einen vierstimmigen Satz mit einer gegebenen Stimme erstellen. Auch mit der Generalbass-Bezifferung sowie der Funktions- und Stufentheorie solltest Du Dich auskennen.

Im Pflichtfach Klavier sind häufig nur geringe Kenntnisse erforderlich. Dennoch solltest Du Dich schon einige Jahre mit dem Instrument auseinander gesetzt haben, um beispielsweise eine Bach-Invention oder einen leichten Jazz-Standard spielen zu können.

Das Hauptfach ist natürlich besonders wichtig. Hier musst Du mehrere Stücke unterschiedlicher Epochen bzw. Stilistik vorbereiten. Auch das Blattspiel oder Blattsingen sowie eine leichte Improvisation sind hier erforderlich. Beim Hauptfach Komposition musst Du mehrere Eigenkompositionen einreichen, häufig auch als Aufnahme.

Natürlich musst Du Dich nicht ganz allein auf die Aufnahmeprüfung vorbereiten. Viele Lehrer in Deiner Musikschule bieten Studienvorbereitung oder Musiktheorie/ Gehörbildung als zusätzliches Fach an. Für letzteres kannst Du auch einen Vorbereitungskurs in Deiner präferierten Hochschule besuchen. Bewerbe Dich auf jeden Fall auch immer für mehrere Hochschulen, damit der Erfolg nicht nur von einer Zusage abhängt.

Übung macht den Meister!

Solltest Du die Aufnahmeprüfung bestanden und die Studiengebühren bezahlt haben: Glückwunsch – Du wirst nun Musik studieren! Doch auch hier möchte ich vor einer Hürde warnen. Mit einem Blick auf den Stundenplan wirst Du mit hoher Wahrscheinlichkeit feststellen, dass Du nur sehr wenige Semesterwochenstunden hast. Viel Zeit, um arbeiten zu gehen und das Studium zu finanzieren? Parties im Überfluss?

Weit gefehlt! Nicht nur, dass viele Kurse anders als in einer Universität eine Anwesenheitspflicht erfordern. Deine Haupt- und Pflichtfach-Lehrer erwarten auch von Dir, dass Du 4-6 Stunden täglich übst. Denn auch während des Studiums heißt es: Übung macht den Meister!

Autor: Mirko Schubert

Mirko ist der einstige Gründer von Musiker Knowhow. Als Diplom-Musikpädagoge (FH), Komponist und Journalist liebt er es, musikalisches Wissen an andere weiter zu geben. Er unterrichtete bereits über 10 Jahre an verschiedenen Musikschulen die Fächer Klavier, Keyboard, Gesang und Songwriting.

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